Aus Wissenschaft wird Unterricht

In der Sonntags-Ausgabe der NZZ vom 25.11.2012 wurde von den Studierenden der Lehrerinnen- und Lehrerbildung für Maturitätsschulen (LLBM) der Universität Zürich (UZH) noch die zu kopflastige Ausbildung beklagt (vgl. letztes Blogposting), nun wurde nur kurze Zeit später (in den UZH News vom 6.12.2012) ein ganz anderer Einblick in die Ausbildung zukünftiger Gymnasiallehrpersonen gegeben.

Deutschunterricht in der Klasse 3c, Kantonsschule Stadelhofen Zürich. Die 16- bis 17-jährigen Schülerinnen und Schüler wissen, dass ihre Lehrerin heute nicht vorne stehen, sondern in der Bankreihe Notizen machen wird. Am Pult stattdessen eine Debütantin: Andrea Schaufel erteilt heute die erste Deutschstunde ihres Lebens.

In einem Teil ihrer Ausbildung absolvieren die Lehrdiplom-Studierenden zehn Übungslektionen. In fünf davon hospitieren sie, bei weiteren fünf unterrichten sie selbst. In einer der fünf Unterrichtslektionen ist eine Fachdidaktikerin oder ein Fachdidaktiker dabei. […] In der Regel werden die Stunden vor- und nachbesprochen. Gefördert werden soll damit auch die Fähigkeit und Bereitschaft der angehenden Lehrerinnen und Lehrer, ihren Unterricht selbstkritisch zu hinterfragen “ eine Grundvoraussetzung zur Qualitätssicherung des Unterrichts an den Gymnasien.

Dass dies natürlich nicht nur eine Grundvoraussetzung für den Unterricht an Gymnasien ist, sondern für alle Schulstufen gilt (einschliesslich Universitätsdozierenden), versteht sich von selbst. Gerade die Reflexion von Unterricht oder aber auch die Antizipation von allfälligen Schwierigkeiten während der Unterrichtsplanung, fällt aber vielen Studierenden schwer resp. sie muss eingeübt werden. Hier erscheint mir das Konzept, welches an der UZH angewandt wird, sinnvoll zu sein. Bevor sie ihre erste Stunde halten, haben die Lehrdiplom-Studierenden hospitiert und sich aus dem Unterricht erfahrener Lehrpersonen Anregungen geholt. Das geschieht, indem ihre Aufmerksamkeit via Beobachtungsaufträge auf bestimmte Teilaspekte des Unterrichts gelenkt wird. Später werden die Resultate der Beobachtungen mit den Dozierenden am Institut für Erziehungswissenschaft besprochen und reflektiert.

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Da zukünftige Gymnasiallehrpersonen tatsächlich weniger Gelegenheit haben (als z.B. zukünftige Lehrpersonen der Volksschule) in Praktika ihr berufspraktisches Wissen anzuwenden, ist es umso wichtiger, diese Praxisgelegenheiten möglichst optimal zu gestalten, damit eben die von den Studierenden immer wieder beklagte Kluft zwischen Theorie und Praxis sich möglichst schnell verringern kann. Dies zu ermöglichen scheint mir DIE zentrale Aufgabe der Ausbildungsinstitutionen zu sein. Also wie kann der Dialog so geführt werden, dass er als gewinnbringend für alle Beteiligten eingeschätzt wird? Welche Gefässe braucht es dafür?

Im Artikel ist zu lesen:

Im Hinblick auf die Verbindung von Theorie und Praxis gab es früher einige Kritik von Studierenden: Praktikumslehrpersonen würden oft mit anderer Stimme sprechen als die universitäre Didaktik und Erziehungswissenschaft. Die Abteilung LLBM will Abhilfe schaffen, indem sie die Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Praktikumslehrpersonen erweitert, professionalisiert und damit den Dialog zwischen Theorie und Praxis fördert.

 

Nachbesprechung der oben erwähnten ersten Deutschlektion der Studentin: Fachdidaktikerin Eva Pabst (2.v.l.) im Austausch mit ihren Studierenden Michaela Schwabe, Nicole Schönenberg, Andrea Schaufel. (Bild: Frank Brüderli)

Es bleibt zu hoffen, dass möglichst viele zukünftige Gymnasiallehrpersonen erfolgreiche und für ihren Lernprozess wichtige Erfahrungen in ihren Praktika sammeln können. Und: dass die Studierenden im Austausch mit ihren Praxislehrpersonen und Fachdidaktiker/-innen ihr breites fachliches Wissen immer stärker auch in Richtung fachspezifisch-pädagogischen Wissens entwickeln.

Quelle:

UZH News | Gymnasiallehrpersonenausbildung: Von der Wissenschaft zum Unterricht | Veröffentlicht am 6. Dezember 2012 | Online lesen: http://www.uzh.ch/news/articles/2012/aus-wissenschaft-wird-unterricht.html

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