Nachtrag: Die Idee der Universität und ihre Zukunft

Via den folgenden Blogeintrag im e-Denkarium von Prof. Dr. Gabi Reinmann, bin ich auf den Artikel von Holm Tetens aufmerksam gemacht wurden (hier einsehbar), welcher sich ebenfalls Gedanken zur Idee der Universität macht. Ebenfalls deshalb, weil ich hier bereits den von Prof. Dr. U. Herrmann zur Veröffentlichung freigegeben Artikel erwähnt habe.

Tetens umschreibt die „Idee der Universität“ folgendermassen:

Wissenschaft versucht systematisch und methodisch zu erkunden (erforschen), was alles Wichtiges in der Welt der Fall ist und warum es der Fall ist. Bei dieser Erforschung der Welt lassen sich die Wissenschaftler durch fünf Ideale anleiten: das Ideal der Wahrheit, das Ideal der Begründung, das Ideal der Erklärung und des Verstehens, das Ideal der Selbstreflexion und das Ideal der Intersubjektivität.

Da die Wissenschaft ihrer Idee nach kein Geheimwissen einer privilegierten Minderheit hervorbringt, müssen – ihrem Ideal nach Intersubjektivität nach – sich wissenschaftliche Resultate auch immer wieder von anderen Forschern nachvollziehen und bestätigen lassen. «Wissen, das sich nicht intersubjektiv mitteilen und intersubjektiv nachprüfen lässt, verwirkt auf Dauer den Anspruch, wissenschaftliches Wissen zu sein» (vgl. Tetens, 2008).

Aus der „Idee der Universität / der Idee der Wissenschaft“ folgert Tetens Grundätze, nach denen die beiden Aufgaben der Universitäten, die Forschung und die Lehre, zu organisieren sind.

Für mich interessant ist der folgende Abschnitt:

In der Forschung kooperieren die Forscher als Beobachtungshelfer und als gleichberechtigte Mitdiskutanten in den kontroversen wissenschaftlichen Debatten. […] In die Wissenschaft eingeführt und zur Wissenschaft befähigt werden die Studierenden durch einen Dreierschritt: vormachen, nachmachen, mitmachen. Zu Beginn trennt ein mehr oder weniger gewaltiges Kompetenzgefälle die Lehrenden von den Studierenden. Deshalb müssen Lehrende kraft ihrer Kompetenz und Erfahrung vormachen, wie man Wissenschaft angemessen betreibt. Das kann natürlich auf vielfältige Weise geschehen. Da aber der Forschungsprozess wesentlich als offene und freie kontroverse Debatte ablaufen muss, sind die Lernschritte des Nachmachens und Mitmachens selber wesentlich als offene und freie kontroverse Debatten zwischen Lehrenden und Studierenden und auch zwischen den Studierenden zu organisieren.

Dies entspricht eigentlich schon sehr einer Haltung, dass Lehrende und Lernende eine Forschungsgemeinschaft bilden, die sich gegenseitig befruchten kann.

Auch dieser Absatz gefällt mir:

Im Prinzip muss der Lehrende ein kompetenter Forscher sein, denn er soll in die Wissenschaft durch Vormachen und Kontrolle und Verbesserung des Nachgemachten einführen. Umgekehrt steht jeder kompetente Forscher unter den fünf Idealen der Wissenschaft, insbesondere unter dem Ideal der Begründung, der Selbstreflexion und der Intersubjektivität; er muss daher in der Lage sein, das von ihm Entdeckte und Gedachte so darzustellen, dass andere es nachvollziehen und unabhängig von ihm überprüfen und kritisch diskutieren können. Es ist nicht nur ein Humboldtsches Ideal, Forschung und Lehre miteinander zu verbinden, es folgt aus der Idee der Wissenschaft und damit aus der Idee der Universität überhaupt, dass Forschung und Lehre nicht voneinander getrennt werden können und dass jeder Wissenschaftler an der Universität Forscher und Lehrer in Personalunion zu sein hat.

Und genaue diese Verbindung macht meiner Ansicht nach die Lehre an der Universität auch besonders spannend und einzigartig!

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