Professoren-Ratings

In der heutigen Sonntagsausgabe der NZZ auf der wöchentlichen Seite für Studium und Karriere veröffentlichte Sarah Genner einen Beitrag mit dem Titel: «Fragwürdige Kriterien entkräften Professoren-Ratings» (hier).

NZZ-Ratings

Bild: Annette Karrenbach

Sie schreibt, dass digitale Plattformen, auf denen Professoren bewertet werden wie zum Beispiel in der Schweiz MeinProf.ch, sich ausbreiten, aber ihre Ergebnisse kein Spiegel für die Lehrqualität darstellen.

Um in die vorderen Ränge des Mein-Prof-Rankings vorzustossen, braucht es erstaunlich wenig. Dank sechs positiven Wertungen belegt Rupert Moser, Titularprofessor am Institut für Sozialanthropologie der Universität Bern, den Spitzenplatz unter den Schweizer Professoren. Seine Lehrveranstaltung „Suaheli III“ empfahlen alle sechs Bewertenden weiter. Darauf angesprochen, antwortet Moser: «Diese Ratings sind kaum relevant. Die internen Evaluationen der Dozierenden sind um einiges seriöser.»    

Und weiter steht geschrieben: 

Für den Zürcher Geschichtsprofessor Simon Teuscher sind die Bewertungen in erster Linie «digitalisierte Gerüchteküchen». […] Problematisch ist, dass kaum kontrolliert werden kann, von wem die Wertungen stammen. Grundsätzlich gelten anonymisierte Evaluationsverfahren, etwa mit gezielt verteilten Fragebogen, als unverfäschter.   

Dem ist sicher zuzustimmen, denn laut Genner ermuntert die Anonymität im Netz die Studierenden ihren Frust (zum Beispie über schlechte Prüfungsresultate) auf solchen Plattformen loszuwerden. Und das Internet vergisst nichts! Die Ratings bleiben über Jahre auffindbar. So gibt es auch bereits einige Klagen gegenüber den Betreiberinnen und Betreibern solcher Plattformen. Zum Beispiel dargestellt im Bericht der Zeit „Die Angst der Lehrer“.

Einen ganz anderen Zugang um Lehrpersonen resp. Professorinnen oder Professoren zu „bewerten“ bzw. den Besten / die Beste auszuzeichnen, verfolgen Lehrpreise an Schweizer Hochschulen und Universitäten. Ich habe bereits früher (hier und hier) davon berichtet. Auch im Jahre 2009 wird die Universität Zürich wieder einen Lehrpreis vergeben und “ analog der früheren Jahre “ EINEN Schwerpunkt der universitären Lehre ins Zentrum stellen, da sich gute Lehre durch verschiedene Aspekte auszeichnet und nicht alle gleichzeitig bewertet werden sollen. Im Jahre 2009 wird also derjenige Dozent oder diejenige Dozentin gewählt, der oder die es am besten schafft, Lehre und Forschung zu verknüpfen. Es geht also um eine alte universitäre Tradition, welche bereits bei Wilhelm von Humboldt ihren pointierten Ausdruck fand (vgl. dazu ein Referat von PD Dr. Ulrich Welbers mit dem Titel: Humboldts Gemüt: Zum Zusammenhang von Forschung und Lehre im neuhumanistischen Bildungsideal) und meint, dass die universitäre Gemeinschaft aus Lehrenden (Dozierenden) und Lernenden (Studierenden) besteht. Deshalb muss wissenschaftliche Bildung auf selbständiger Forschung beruhen und kann nur durch Personen vermittelt werden, die selbst Forschung betreiben (vgl. Leitbild der Universität Zürich).

Da bin ich ja sehr gespannt, wer die nächste Gewinnerin / der nächste Gewinner sein wird und wie die Studierenden ihre Wahl begründen!

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