Rückblick DGHD Jahrestagung 2011

Vom 1.-4. März fand in München die 40. Jahrestagung der DGHD (Deutsche Gesellschaft für Hochschuldidaktik) statt. Zu diesem Jubiläum reisten viele Hochschuldidaktiker/-innen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, aber auch aus Frankreich und England an. Das Tagungsthema lautete „Lehrforschung wird Praxis – Hochschuldidaktische Forschungsergebnisse und ihre Integration in den Lehrzusammenhang“. Nebst den beiden geladenen Keynotes von Ada Pellert zum Thema „Fachgesellschaften als «communities of practice»: Lernen miteinander und Unterstützung füreinander“ zur Eröffnung und von Edgar Moseby zu „Problem Based Learning“ zum Abschluss der Tagung, waren die unterschiedlichsten Präsentationsformate in sieben Tracks anzutreffen.

Leider konnte ich nur kurz anwesend sein und verpasste die Keynotes, als auch die Arbeitsgruppen und die Mitgliederversammlung zur Wahl des neuen Vorstandes. Selber hielt ich einen Vortrag zum Thema „Lehrkonzept und didaktische Reflexion im Lehrportfolio“. Diese Thematik beschäftigt mich im Rahmen meiner Tätigkeit an der Hochschuldidaktik der Universität Zürich immer wieder von neuem, denn die Teilnehmenden unseres Qualifizierungsprogrammes „Teaching Skills“ müssen, um das Zertifikat zu erlangen ein Lehrportfolio schreiben, in welchem sie ihre konkrete Lehrtätigkeit nicht nur dokumentieren, sondern diese auch reflektieren und in Bezug zu ihren eigenen Leitlinien von universitärer Lehre – ihrem Lehrkonzept – stellen. Nun ist es ein Aufgabenfeld der Hochschuldidaktik, die Dozierenden bei der Weiterentwicklung ihrer Lehrkonzeptionen als auch der didaktischen Reflexion ihrer Lehrtätigkeit zu unterstützen und ich fragte mich in meinem Vortrag, welche Modelle sich hierzu anbieten. Ein gangbarer Weg scheint mir, den Prozess des Schreibens des Lehrportfolios in Analogie zum Forschungsprozess zu sehen. Dies deshalb, weil Dozierende an einer Forschungsuniversität wie der UZH, Forschungsprozesse sehr gut kennen und sich dort auch „heimisch“ fühlen. Mir scheint, dass dies ein möglicher Weg sein könnte, den Lehrprozess resp. den Prozess der Sichtbarmachung der eigenen Lehre mittels eines Lehrportfolios, besser verständlich machen zu können. In der nachfolgend eingefügten Folie aus dem Referat sind die einzelnen Schritte – sei es beim Forschungsprozess resp. beim Prozess „Lehrportfolio“ – prototypisch abgebildet.

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Ob dieses Vergleichsmodell für die Teilnehmenden hilfreich für den Prozess der Dokumentation und Reflexion ihrer Lehrtätigkeit im Rahmen eines Lehrportfolios ist, wird sich noch weisen.

Nachfolgend alle Folien des Referates auf Slideshare:

Einen interessanten Vortrag hielt mein Vorredner, Jan Fendler von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Auch sein Beitrag hatte das Lehrportfolio zum Thema, welches von Dozierenden der Universität – ebenfalls im Rahmen eines Zertifikatsprogrammes – verfasst wird. Die Kolleginnen und Kollegen aus Jena arbeiten mit Videoaufzeichnungen, um mit den Teilnehmenden Reflexionsstrategien zu erörtern, und die Implementierung derselben in deren Lehrportfolio zu unterstützen. Die aufgenommene Stunde wird einerseits durch die anwesenden Studierenden mittels Fragebogen evaluiert und das Video wird von drei Personen aus der Hochschuldidaktik analysiert. Im Anschluss daran besprechen die drei ihre Analysen, einigen sich auf ein Feedback und jemand führt ein Reflexionsgespräch mit der videographierten Lehrperson. Dieses aufwändige Verfahren führt bestimmt zu sehr fruchtbaren Hinweisen für die Dozierenden und gibt auch Anstösse bezüglich der didaktischen Reflexion des eigenen Lehrhandelns.

Im Workshop von Eva-Maria Schumacher „Coaching und Beratung entlang einer Hochschulbiografie“ stellte die Vortragende ihre über mehrere Jahre gesammelte Erfahrung vor, dass es – je nach Arbeitsphase – typische Anliegen und Fragen im Coaching- resp. Beratungsprozess gibt. Interessant war der Vergleich dieser Phasen aus dem Blickwinkel „Lehre und Hochschuldidaktik“ mit den Phasen aus dem Blickwinkel „System Hochschule“. Eva-Maria Schumachers Vorschlag war es, diese Phasen miteinander zu vergleichen und dies war denn auch die Aufgabe der Teilnehmenden an diesem Workshop. Hier kann man auf den sich in Vorbereitung befindenen Artikel für das „Handbuch Hochschullehre“ – zu ebendiesem Thema – gespannt sein!

Am Donnerstagvormittag konnte ich dann noch aus dem Track „Forschung“, die über den ganzen Vormittag dauernde Veranstaltung „Impulse für die Qualitätsentwicklung der hochschuldidaktischen Weiterbildung“, geleitet von Marianne Merkt (Hamburg) und Matthias Heiner (Dortmund) besuchen, bevor ich wieder zurückreisen musste. Ludwig Huber (Bielefeld) referierte zum Einstieg ins Thema bezüglich des Forschens über das (eigene) Lehren, dem „Scholarship of Teaching and Learning“, und fragte sich, ob dies auch bei uns ein Thema sei. In der Folge wurden dann vier Sessions angeboten, die alle Forschungsresultate präsentierten, welche die Professionalisierung und Weiterentwicklung von Hochschuldozierenden im Fokus hatten. Caroline Trautwein aus Hamburg stellte sehr interessante Leitfragen zur Einschätzung der Qualität von Lehrportfolios vor. Ja, ja… ich habe wohl alle Referate besucht, die sich an dieser Tagung mit Lehrportfolios beschäftigten 😉 Titel ihres Inputs war „Leitfragen zur Qualitätseinschätzung von akademischen Lehrportfolios“ und sie fragte sich in ihrer qualitativ-explorativen Studie, wie sich Lehrkompetenz entwickelt und welche Rolle dabei die Lehr-Lern-Überzeugungen spielen. Einleuchtend war die Orientierung an einem Modell akademischer Lehrkompetenz, welches die drei Ebenen Lehr-Lernphilosophie, Handlungsstategien und Felderfahrung unterscheidet und aufgrund dessen die Leitfragen zu eben diesen drei Bereichen entwickelt wurden. Nachtrag: die Folien zu diesem sehr spannenden Beitrag können auf der Projekthomepage der Universität Hamburg angesehen werden.

Carsten Würmann und Roland Bloch stellten im Anschluss daran ihre Untersuchung der Struktur akademischer Lehre an deutschen Hochschulen vor und fragten sich bei der Analyse der beeindruckend vielen Daten, wer denn nun eigentlich die Lehrenden an den Universitäten sind? Denn diese stellen laut ihren Daten eine sehr heterogene Zielgruppe dar. Das Wissen um eine Beschreibung der Zielgruppe sei aber für die Passung von Angebot und Nachfrage nicht zu vernachlässigen.

Elisabeth Wegner (Freiburg) stellte eine gemeinsam mit Matthias Nückles durchgeführte Untersuchung zu Evaluation und Ansätzen der Qualitätssicherung vor und zwar ging es um den Umgang mit widersprüchlichen Handlungsanforderungen in der Lehre als einem Merkmal von Lehrkompetenz. Aufgrund des Umgangs von Dozierenden mit Dilemmata fragten sie sich, wie Neues in die Köpfe von Hochschullehrenden kommt. Einleuchtend war das eingangs präsentierte Modell, aufgrund dessen (wieder einmal) klar wurde, dass reflektiertes didaktisches Entscheiden in einem schlecht strukturierten Problemraum (=Lehrsituation) viel an Kognition, Wissen, Metakognition und epistemischem Denken erfordert. Und wie gelangen Hochschuldozierende zu diesen Attributen? Eine Schlussfolgerung der Dozentin war es, dass hochschuldidaktische Weiterbildung mehr bieten müsse als das blosse Bereitstellen von „Werkzeugkisten“.

Edith Kröber aus Stuttgart stellte zum Schluss einige Hauptergebnisse ihrer Dissertation vor (ich berichtete hier schon einmal darüber). Auch bei ihrer Evaluationsstudie ging es um die Wirksamkeit hochschuldidaktischer Weiterbildung am Beispiel der Veränderung von Lehrkonzeptionen.

Dieser Track „Forschung“ war sehr vielseitig gestaltet und lieferte eine Menge an interessanten Erkenntnissen und man kann gespannt sein, bis all diese Beiträge publiziert und dadurch auch für eine breitere Öffentlichkeit sichtbar gemacht werden.

 

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