Wochenartikel 14: Kompetenzmodelle, Standardmodelle und Professionsstandards

Gestern kam per Post ein neues Sonderheft aus der Reihe „Lehrerbildung auf dem Prüfstand“ aus Landau des Verlags Empirische Pädagogik, welches ich vor einiger Zeit bestellt habe. Es wurde von Andreas Frey und Claudia Jung verfasst und der Titel lautet: Kompetenzmodelle, Standardmodelle und Professionsstandards in der Lehrerbildung: Stand und Perspektiven. Bestellmöglichkei: hier.

Im Vorwort von Prof. Reinhard Jäger ist zu lesen, dass die beiden Autoren aus der Vielfalt der Modellvorstellungen eine Auswahl getroffen hätten, welche in der dargestellten Breite einer Inventarisierung entspricht. Zu wünschen sei, dass nicht immer wieder erneut die Modelldiskussion forciert werde, sondern mehr nach Gemeinsamkeiten, vor allem mit Blick auf die Lehrerbildung zu suchen sei und dieser Band hierfür eine Grundlage biete. Mit Interesse habe ich also das kleine Büchlein gelesen und möchte gerne nachfogend die wichtigsten Punkte vorstellen.

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Zuerst klären die beiden Autoren die Begriffe: Kompetenz, Kompetenzmodelle und Standards und stellen danach sowohl Kompetenz- als auch Standardmodelle exemplarisch vor. Danach führen sie auch die Kritik und Problemfelder rund um Standards und Kompetenzmodelle ins Feld und suchen nach „roten Fäden“ in der Kompetenz-Standard-Diskussion, welche in einem Makromodell der Lehrkompetenz und inhaltlichen Übereinstimmungen und Parallelen münden.

Die Begriffsklärung von Kompetenz orientiert sich auch bei den Autoren an dem von der DIPF-Expertise Definition in Anlehnung an Weinert (2001), welche weit verbreitet ist.

“ […] die bei Individuen verfügbaren oder von ihnen erlernbaren kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten, bestimmte Probleme zu lösen, sowie die damit verbundenen motivationalen, volitionalen und sozialen Bereitschaften und Fähigkeiten, die Problemlösungen in variablen Situationen erfolgreich und verantwortungsvoll nutzen zu können (zit. nach Klieme et al., 2003, S. 72). Dabei werden sieben Facetten der Kompetenz berüchsichtig, auf welchen sich die individuelle Ausprägung der jeweiligen Kompetenz bestimmen lässt (vgl. die Abbildung in meinem letzten Blogposting).

Ebenso führen die beiden Autoren auf, dass sich mittlerweile die meisten darin einige sind, dass der Begriff „Kompetenz“ sich nicht allein über zugrundeliegendes Wissen und vorhandene Fertigkeiten definiert, sondern deren erfogreiche Anwendung miteinschliesse. In Abgrenzung zur „Kompetenz“ fokussieren Standards laut den Autoren das vom kompetenten Anwender resp. der kompetenten Anwederin gezeigte Verhalten, und nicht die ihm zugrunde liegenden Fertigkeiten und Wissenselemente. Standards können auf einem theoretischen Kompetenzmodell fussen, werden jedoch i.d.R. über eine Sammlung, Bewertung und Strukturierung durch Experten entwickelt (vgl. Frey & Jung, 2011, S. 8).

Die folgenden acht Kompetenzmodelle werden danach aufgeführt und beschrieben:

  • Modell professioneller Handlungskompetenz im Lehrberuf der Studie COACTIV (Kraus et al., 2004)
  • Expertentum des Lehrens (Sternberg & Horvarth, 1995)
  • die Lehrperson als kompetente Erzeugerin von Lerngelegenheiten (Bromme, 1997)
  • der Erwerb von überfachlichen Kompetenzen in akademischen Bildungsgängen (Gonzales & Wagenaar, 2003)
  • Kompetenzen in der Bildung für nachhaltige Entwicklung (Rauch, Steiner & Streissler, 2007)
  • arbeitsbezogene Verhaltens- und Erlebensmuster (Schaarschmidt, 2007)
  • das hierarchische Strukturmodell von Handlungskompetenz (Frey, 2008)
  • berufliche Anforderungen von Lehrkräften nach der Studie MT21 (Blömeke et al., 2008)

Hier hätte ich mir gewünscht, dass auch auf die „key competencies“ in der OECD Studie von Rychen und Salganik (2001) eingegangen worden wäre, wenn schon die TUNING-Kompetenzen abgebildet sind für die Tertiärstufe.

Ebenso die folgenden fünf Standardmodelle:

  • das Modell des Interstate New Teacher Assessment and Support Consortium (INTASC, 1992)
  • das Modell des National Board for Professional Teaching Standards (NBPTS, 1987)
  • die von Oser entwickelten Standards der Lehrerbildung (1997)
  • die von Terhart entwickelten Standards (2002)
  • die Standards für die Lehrerbildung der Kultusministerkonferenz und des KOSTA-Projekts (2004)

Bezüglich der Professionsstandards rekurrieren die beiden Autoren auf die von der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz für die Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen. Sie betonen, dass sich hierbei in eindrucksvoller Weise zeige, dass sich Kompetenzmodelle und die Formulierung von Standards keineswegs ausschliesse.

Gut gefällt mir an dem kleinen Büchlein, dass auch der Kritik an der Standard-Konzeption genügend Raum eingeräumt wird (vgl. S. 55ff). Das letzte Kapitel versucht dann in der Zusammenschau der gesammelten Kompetenz- und Standardmodelle – bei allen offenen Fragen – Ähnlichkeiten, Parallelen und wiederkehrende Muster herauszuarbeiten. Dies gelingt meiner Ansicht nach mit dem Makromodell der Lehrkompetenz auf S. 60ff sehr gut. Etwas weniger einleuchtend finde ich jedoch die die zusammenfassenden Darstellung einzelner Elemente, die in den unterschiedlichen Modellen immer wieder ihre Erwähnung finden. Hier scheinen mir die Darstellung und auch die Erklärungen in sich nicht kohärent zu sein und es wird für meinen Geschmack etwas gar vieles vermischt.

Trotz allem: ein lesenswertes Sonderheft!

 

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