Wochenartikel 15 | How teachers say what they say

Gerne möchte ich wieder einmal einen Artikel vorstellen, den ich zwar schon vor längerer Zeit gelesen habe, jedoch diese Woche erneut bearbeite:

Kosko, K. & Herbst, P. (2012). A deeper look at how teachers say what they say: A quantitative modality analysis of teacher-to-teacher talk. Teaching and Teacher Education, 28(4), 589-598.

Die beiden Forscher von der Michigan University untersuchen Gespräche von Lehrpersonen mit einem “ zumindest für mich “ spannenden Fokus. Sie beschreiben im Artikel eine Methode…

… to inspect records of the conversations among groups of teachers so as to ascertain the extent to which the conversation stages the negotiation of stances toward classroom events and explore the grounds of such negotiations. This methode exploits the notion of sematic modality so as to embrace the goals of analyzing conversations at a fine grain size and the accounting for variability and comparisons among relatively large settings of transcript data (vgl. ebd., S. 590; Hervorhebung K.F).

Grosse Datenmengen auf einer Mikroebene analysieren zu können ist natürlich verlockend… Die oben angesprochene „semantische Modalität“ untersuchen sie in Bezug auf den Gebrauch von Modalwörtern im Gespräch, um so einen Gradmesser zu erhalten.

For example, each of the modals may and shall within the statement „I teach mathematics“ can modify the process teach such that „I may teach mathematics“ and „I shall teach mathematics“ suggest different meanings than originally conveyed. […] These different degrees of certainties have implications in terms of what people mean by what they say about what they mean, as well as how they construct interpersonal relationships through language. […] Since every utterance in a discussion provides context for the utterance that follows it (Denzin & Lincoln, 2000; Schegloff, 1987), the use of modality in speech can encourage or discourage more talk on the same subject. […] If no modality is used, the following speaker may not find the initial statement as inviting to respond to the first speaker. […] By examining the patterns of modal usage or non-usage in the teacher-to-teacher talk of a particular group, one is therefore able to gauge the extent to which the statements that participants make in the conversation are open to discussion by interlocutors “ which we take as an indicator of the extent to which the group discussion might contain negotiation of shared stances (vgl. ebd., S. 590, Hervorhebung im Original).

Vor allem interessant fand ich den Schluss der Autoren, dass der Gebrauch von Modalwörtern und/oder deren Häufigkeit im Gespräch dazu genutzt werden kann herauszufinden, wie offen jemand für Aushandlungen und Diskussionen ist, was für eine Rolle im Diskurs eingenommen wird und wie hoch die Gesprächs-  resp. Dialogbereitschaft ist.

Aufgrund dessen “ und dies nun meine Meinung und so nicht im Artikel zu lesen “ werden auch Gespräche dialogischer verlaufen, sobald mehr Modalwörter zum Einsatz kommen. Zudem (dies nun eine Untersuchung von Williams und Watson, 2004) können via den Gebrauch von Modalwörtern auch individuelle Überzeugungen oder Dispositionen identifiziert werden resp. können diese als Gradmesser für die Reflexionskompetenz von Lehrpersonen dienen.

Williams und Watson (2004) looked at modals as indicators of reflection on the part of student teachers when discussing their teaching immediately after a lesson. The student teachers‘ use of modality was described as reflective since their usage, as opposed to non-usage, indicated a consideration of other possible actions than those that were performed (vgl. ebd., S. 592).

Im Blick habend, dass bei gesprochener Sprache weniger Modalwörter gebraucht werden als bei geschriebener Sprache, geht es beim „teacher-to-teacher talk“ also darum, ein adäquates System zur Kategorisierung von Modalwörter zu finden. Hier schlagen die Autoren ein System in Anlehnung an Halliday und Matthiessen (2004) mit den vier Basiskategorien „probability, usuality, obligation and iclination“ mit der Begründung vor, dass jede der Kategorien prozessbezogen aufzeigt, wie Lehrpersonen unterrichten resp. was sie unter Unterricht verstehen.

Each classification type can be conzeptualized as a different kind of orientation toward a proposition or a proposal, with varying degrees to which such an inference is made by the speaker. Inclination focuses on the degree to which a speaker indicates the proposal is desirable. Normativity (or ˜appropriateness as described by Halliday & Matthiessen, 2004) refers to the degree to which the speaker considers the proposal proper, appropriate, or normative. Usuality expresses the degree to which the speaker considers the stated process as expected or typical. Probability expresses the degree to which the speaker affirms the likelihood of the stated process (vgl. ebd., S. 595; Hervorhebung K.F.].

Bezüglich der Identifikation der im Dialog gebrauchten Modalwörter zu den Kategorien bedeutet dies, dass ein blosses Vorkommen oder nicht wohl noch nicht viel aussagt resp. dass nicht alle Modalwörter die im Gespräch vorkommen, auch zwingend in die Analysen miteinbezogen werden müssen.

As stated previously, modality use means that the speaker is making a bid for the negotiation of a stance toward a proposition or a proposal. However, our interest in modality, as educational researchers, is only instrumental: It is an indicator of the degree to which teacher-to-teacher discourse is open to interpersonal negotiation of meanings about the teaching of mathematics. […] With such focus, modality in teacher-to-teacher talk could be interpreted as an indicator of the extent to which propositions and proposals about the teaching and learning of mathematics are offered as matters of (group) negotiation (vgl. ebd., S. 594).

Die Autoren fokussieren “ nach erfolgter Kodierung “ jedoch darauf, die Daten quantitativ auszuwerten. Ihre Interesse gilt dem Ausmass des Gebrauchs von Modalwörtern der Kategorie „normativity“ im Vergleich zu den anderen drei Kategorien und dies deshalb, weil sie nicht nur daran interessiert waren ob in ihren Dialogen gemeinsame Standpunkte ausgehandelt wurden, sondern auch wie die Lehrpersonengruppe sich bezüglich den normativen Ausgestaltungen des Mathematikunterrichts orientierte, ob sie also stärker normativ geprägt diskutierte oder weniger stark.

Insgesamt resumieren die Autoren, dass der Gebrauch von Modalwörtern als Indikator angesehen werden kann ob Lehrpersonen im Gespräch gemeinsam eine Haltung/einen Standpunkt diskutieren oder elaborieren. Zudem schlagen sie vor, dass mit Hilfe der Kategorisierung der benutzten Modalwörter herausgefunden werden kann, wie Lehrpersonen die diskutierten Haltungen/Standpunkte einschätzen oder beurteilen. Mir scheint dies ein gelungener Ansatz zu sein die Interaktionsqualität des „teacher-to-teacher talk“ sowohl qualitativ als auch quantitativ beurteilen zu können.

 

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