{"id":296,"date":"2009-07-04T05:20:39","date_gmt":"2009-07-04T11:20:39","guid":{"rendered":"http:\/\/kathrinfutter.ch\/blog\/?p=296"},"modified":"2009-07-04T05:31:47","modified_gmt":"2009-07-04T11:31:47","slug":"die-idee-der-universitat","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/kathrinfutter.ch\/blog\/die-idee-der-universitat","title":{"rendered":"Die Idee der Universit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_296 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_296')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_296').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Juli 2009 im\u00a0<a href=\"http:\/\/bildungsklick.de\/a\/68891\/die-hochschulreform-und-ihre-schreckliche-wirklichkeit\/\" target=\"_blank\">Bildungsklick<\/a>\u00a0zur Ver\u00f6ffentlich frei gegeben hat.<\/p>\n<p>Worum geht es?<\/p>\n<p>Einleitend h\u00e4lt Herrmann fest, dass J\u00fcrgen Habermas bei einem Festakt ein paar S\u00e4tze sagte, die das Publikum bewegten:<\/p>\n<p>In jedem Seminar kann ein neues Gesicht auftauchen, ein Student resp. eine Studentin, der\/die einen unerwarteten Stein ins Wasser wirft.\u00a0Das ist das Ausserordentliche des universit\u00e4ren Lebens uns Lernens. Denn er (Habermas) glaube, dass es im Seminar nur so lange mit rechten Dingen zugeht, wie auch der Professor\/die Professorin von seinen\/ihren Studierenden etwas lernen kann.<\/p>\n<p>Herrmann schliesst aus diesen S\u00e4tzen, dass dies \u201c im Jahre 10 von Bologna \u201c Humboldt pur sei und begr\u00fcndet dies in seinem kurzen und klar geschrieben Artikel fogendermassen:<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Vor genau 200 Jahren verfasste Wilhelm von Humboldt zwei Schreiben im Zusammenhang mit der Errichtung einer neuen Universit\u00e4t in Berlin. Die Frage war, ob es eine &#8222;h\u00f6here Lehranstalt&#8220; nach dem Muster der herk\u00f6mmlichen Universit\u00e4ten mit ihren Berufsfakult\u00e4ten sein sollte oder eine Ausbildungsst\u00e4tte nach Art eine Fachhochschule wie der \u00c3\u2030cole polytechnique in Paris. Beides war nicht Humboldts Absicht, er behielt jedoch die Bezeichnung &#8222;Universit\u00e4t&#8220; bei, jedoch sollte nicht die Ausbildung zuk\u00fcnftiger Staatsdiener bzw. Akademiker das sie organisierende Prinzip sein, sondern die Entwicklung von Wissenschaft und durch sie die Verbreitung von echter wissenschaftlicher Bildung. Und diese &#8222;Idee der Universit\u00e4t&#8220; \u201c die &#8222;Idee des Wissens&#8220; kann man sich nach Herrmann folgendermassen vorstellen.<\/p>\n<ol>\n<li>\u00a0&#8222;Wissenschaft&#8220; versteht Humboldt nicht als das Insgesamt von Wissensbest\u00e4nden, sonder als die Form des Wissens: als Methode wissenschaftlichen Denkens, als kritische Er\u00f6rterung. &#8222;Schule hat es nur mit fertigen und abgemachten Kenntnissen zu tun und lernt&#8220;, die neue Universit\u00e4t soll kein Ort des Lernens, sondern des Forschens und (Denkens) sein. Wissenschaft sollte nicht verstanden werden als Korpus geordneten Lehrbuchwissens wie in der alten Universit\u00e4t vor 1800 und nach Herrmann jetzt allerneuesten nach &#8222;Bologna&#8220;, sondern als lebendiger Prozess der Hervorbringung neuen Wissens. Die neue Universit\u00e4t soll &#8222;die Wissenschaft immer als ein noch nicht ganz aufgel\u00f6stes Problem behandeln und dabei immer im Forschen bleiben&#8220;. Grundlage ist nicht \u00dcberlieferung und Tradition, sondern Forschung und Innovation.<\/li>\n<li>F\u00fcr Humboldt ist ein Universit\u00e4tslehrer nicht als Lehrender f\u00fcr Lernende da; denn Lehre soll Anleitung zum Selbststudium sein und nicht Vermittlung von Wissen (was nach Herrmann ohnehin bekanntlich besser durch eigenes Lesen geschieht), sondern eine Vorlesung solle &#8222;Wissenschaft als solche vortragen&#8220;: Fragestellungen und Methoden, Entdeckungen und Kontroversen, Zusammenh\u00e4nge von Theorie und Praxis, kurz die Theoretik, Logik, Systematik und Pragmatik eines Faches. So schreibt Herrmann weiter, dass diese &#8222;neue&#8220; akademische Lehre nach Humboldt das Medium sein soll, um eine bedeutende Zahl selbst mitdenkender K\u00f6pfe anzufeuern, so dass sich die Wissenschaft entwickeln kann. \u00abDer Vortrag von Wissenschaft, vom Professor selbstt\u00e4tig angeeignet und nicht von einem &#8222;Hochschullehrer&#8220; aus Lehrb\u00fcchern zusammengestoppelt, f\u00fchrt nach Humboldts \u00dcberzeugung unvermeidlich zu neuen wissenschaftlichen Fragestellungen und Einsichten \u201c bei beiden, Professor und Student, durch gegenseitige Anregungen, und <em>dies ist der Sinn der Formel der Einheit (Verbindung) von Forschung und Lehre<\/em>: sie meint eine Verbindung von Personen, erst sekund\u00e4r die Institution\u00bb (vgl. Herrmann, S. 2, Hervorhebung im Original).<\/li>\n<li>Der Sinn der Formel von Einsamkeit und Freiheit ist die Hervorbringung von neuer Wissenschaft und der Selbstbildung durch sie. Und dies ist nach Humboldt auch der Grund, weshalb sich Wissenschaft und Forschung nicht an die unmittelbaren herrschenden gesellschaftlichen Bed\u00fcrfnisse anschliessen und sich von deren Interessen vereinnahmen lassen d\u00fcrfe. Weil sie dann ihr Ziel verfehlen w\u00fcrde, alternative Theorien \u00a0und Praxen zu denken und zu begr\u00fcnden.<\/li>\n<li>Die letzte Formel welche Herrmann beschreibt, die der &#8222;Bildung durch Wissenschaft&#8220;, meint dass es darum geht, unabl\u00e4ssig die Wissenschaft als solche zu suchen. Sobald man aufh\u00f6rt oder sich einbildet, sie brauche nicht aus der Tiefe des Geistes heraus geschaffen, sondern k\u00f6nne durch Sammeln extensiv aneinandergereiht werden, so ist Alles unwiederbringlich und auf ewig verloren&#8230;<\/li>\n<\/ol>\n<p>Bezogen auf diese Ausf\u00fchrungen f\u00fchrt Herrmann aus, dass Humboldts &#8222;Idee der Universit\u00e4t&#8220; damals wie heute lediglich Realit\u00e4t in jenen Bereichen bzw. Nischen des forschenden Lernens und lernenden Forschens ist, die damals wie heute &#8222;im Kern gesund&#8220; dastehen: in den Arbeitsgemeinschaften der Lehrenden\/Forschenden und Studierenden. Klar ist nach Herrmann, dass eine Universit\u00e4t, welche vor 150 Jahren gerade einmal so viele Studierende hatte wie heute ein mittleres Fach und heute in Tausendern insgesamt 20 oder gar 40 mal so viele Studierende umfasst, umvermeidlich auch andere Wege in Forschung, Lehre und Studium einschlagen muss! Und dennoch: \u00abDas Studieren als befreiende und freie Geistest\u00e4tigkeit \u201c was auch zu Humboldts Zeiten l\u00e4ngt nicht f\u00fcr alle Studierenden in allen F\u00e4chern und Fachrichtungen galt \u201c durch das Absitzen von Modulen und Ausspucken von Lernleistungen f\u00fcr Leistungsnachweise zu ersetzen, ignoriert und beleidigt den mitdenkenden, &#8222;feurigen&#8220;, r\u00fcstigen, jugendlichen Kopf und zwingt ihne erab zum abstumpfenden Anh\u00e4ufen f\u00fcr ihn toten Wissens. Die Behauptung, dass da auch im Bachelor-Master-System vermieden werden k\u00f6nne, ist ohne das n\u00f6tige Personal, ohne die erforderliche materielle Ausstattung und ohne die Vollfinanzierung des Studiums schlicht Lug und Trug\u00bb (Hermann, S. 3).<br \/>\nDieser <a href=\"http:\/\/bildungsklick.de\/a\/68891\/die-hochschulreform-und-ihre-schreckliche-wirklichkeit\/\">Artikel von Herrmann<\/a> verdeutlicht meiner Ansicht nach sch\u00f6n, wie Humboldt zum Teil heute gedacht wird und zeigt auch auf, was fr\u00fcher damit gemeint war.<\/p>\n<p>Gerade passend zum Thema wurde in der Zeit vom 25. Juni 2009 ein Artikel von Evelyn Finger ver\u00f6ffentlicht mit dem Titel\u00a0<a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2009\/27\/01-Studium\" target=\"_blank\">&#8222;Hegel, hilf!&#8220;<\/a>\u00a0in welchem sie schreibt, dass die Reformer, die das europ\u00e4ische Hochschulwesen vereinheitlichen wollen, nicht Genie f\u00f6rdern, sondern Effizienz propagieren. Ihr Mantra heisse Wettbewerb, ihr Motto Mobilit\u00e4t und ihr Ziel Marktf\u00e4higkeit. Seit dies jedoch so ist, sei das Studieren in Deutschland ineffizienter denn je. Die Seminare seien \u00fcberf\u00fcllt und die Professoren verschwenden immer mehr Zeit auf die Verwaltung (vgl. dazu auch ein\u00a0<a href=\"http:\/\/gabi-reinmann.de\/?p=258\" target=\"_blank\">Blogbeitrag von Prof. Dr. G. Reimann<\/a>). Frau Finger bemerkt lakonisch, dass die Lage auch dadurch nicht besser wird, dass fr\u00fcher vieles schlechter war \u201c wie die Verteidiger von Bologna meinen.<\/p>\n<p>Am 2. Juli 2009 konnte man dann wiederum in der Zeit eine Replik auf Fingers Artikel lesen:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2009\/28\/Bildungspolitik\" target=\"_blank\">&#8222;Hegel hilft nicht&#8220;<\/a>\u00a0von Thomas Kerstan. Er schreibt, dass Finger ahistorisch und elit\u00e4r argumentiere. Ahistorisch, weil sie die deutsche Bildungsgeschichte ausblende und elit\u00e4r, weil das von ihr propagierte Universit\u00e4tsideal [das Humboldtsche, Anmerkung K.F.] \u00a0grossen Teilen der Bev\u00f6lkerung den Zugang zu h\u00f6heren Bildung versperre. Kerstan bezieht sich auf den Soziologen Ralf Dahrensdorf, welcher es als die Aufgabe des Staates sah, m\u00f6glichst vielen jungen Menschen m\u00f6glichst viel Bildung und Ausbildung angedeihen zu lassen, weswegen Dahrensdorf eine Gliederung der Hochschulen vorschlug, um das Massenstudium zu bew\u00e4ltigen. \u00abDie Einheit von Forschung und Lehre als Generalsprinzip stellte er [Dahrensdorf, Anmerkung K.F.] in Frage, weil nur ein kleiner Teil der Studierenden in die Forschung gingen. Die meisten Studierenden brauchten eine wissenschaftsnahe Ausbildung, daf\u00fcr m\u00fcsse die Lehre gest\u00e4rkt werden\u00bb (Kerstan, S. 1).<br \/>\nDie Bolognareform steht nach Kerstan in dieser Tradition, denn erstmals m\u00fcssten sich Professoren Gedanken machen, was Studierende eigentlich lernen sollten. Weiter argumentiert Kerstan, dass sich nicht wenige Professorinnen und Professoren auf das Humboldtsche Bildungsideal (auf die Freiheit von Forschung und Lehre) berufen, weil sie sich lieber um ihre wissenschaftlichen Hobbys k\u00fcmmern w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Und nun? Welches ist der richtige Weg? Gibt es \u00fcberhaupt einen solchen? Welches sollen Stossrichtungen einer universit\u00e4ren Didaktik sein, die sich einerseits an der Einheit von Forschung und Lehre orientiert, so wie es auch das\u00a0<a href=\"http:\/\/www.uzh.ch\/about\/basics\/mission.html\" target=\"_blank\">Leitbild der Universit\u00e4t Z\u00fcrich<\/a>\u00a0vorschreibt: \u00abWissenschaftliche Bildung bedarf der universit\u00e4ren Gemeinschaft von Lehrenden und Lernenden. Sie beruht auf selbst\u00e4ndiger Forschung und kann nur durch Personen vermittelt werden, die selbst Forschung betreiben\u00bb, die sich aber auch bewusst ist, dass die Realit\u00e4t in vielen F\u00e4chern eine andere ist und dies wahrscheinlich auch mit gutem Grund.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Hochschulreform und ihre schreckliche Wirklichkeit &#8222;Die Idee der Universit\u00e4t&#8220; \u201c Ein Wort an die Ignoranten unter ihren Ver\u00e4chtern: So lautet der Titel eines Artikels welchen Prof. Dr. Ulrich Herrmann (erimitierter Professor f\u00fcr Allgemeine und Historische P\u00e4dagogik) am 3. 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