{"id":350,"date":"2009-09-20T14:25:37","date_gmt":"2009-09-20T20:25:37","guid":{"rendered":"http:\/\/kathrinfutter.ch\/blog\/?p=350"},"modified":"2009-09-20T14:25:37","modified_gmt":"2009-09-20T20:25:37","slug":"wochenartikel-08-professionelles-wissen-von-lehrpersonen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/kathrinfutter.ch\/blog\/wochenartikel-08-professionelles-wissen-von-lehrpersonen","title":{"rendered":"Wochenartikel 08 | Professionelles Wissen von Lehrpersonen"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_350 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_350')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_350').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Die Untersuchung des professionellen Wissens deutscher Mathematik-Lehrerinnen und -Lehrer im Rahmen der COACTIV-Studie, <em>Journal f\u00fcr Mathematik-Didaktik, 29<\/em> (3\/4), 223-258.<\/p>\n<p>Dieses Wochenende befasste ich mich mit Literatur zum Professionswissen von Lehrpersonen (genauer gesagt von Mathematiklehrpersonen der Sekundarstufe) und finde die Resultate, welche Krauss et al. (2008) beschreiben, sehr aufschlussreich!<\/p>\n<p>In der <a href=\"http:\/\/www.mpib-berlin.mpg.de\/coactiv\/index.html\" target=\"_blank\">COACTIV-Studie<\/a> (<strong>Co<\/strong>gnitive <strong>Activ<\/strong>ation in the Classroom: The Orchestration of Learning Opportunities for the Enhancement of Insightful Learning in Mathematics) wurden die Mathematiklehrkr\u00e4fte der Klassen aus der PISA-L\u00e4ngsschnittkomponente 2003-2004 ausf\u00fchrlich befragt und getestet. Mit diesem Arrangement bot sich die einmalige Gelegenheit, im Verbund mit PISA ein breites Spektrum sowohl von Sch\u00fcler- als auch von Lehrerdaten zu erheben und diese gemeinsam zu analysieren. Im Artikel beschreibt das Team um J\u00fcrgen Baumert des Max-Planck-Instituts f\u00fcr Bildungsforschung die entwickelten Tests und deren Ergebnisse zum fachdidaktischen Wissen und zum Fachwissen von Mathematiklehrkr\u00e4ften.<\/p>\n<p>Basierend auf der Wissenstaxonomie von Shulman (1986) \u00fcbernahmen sie die drei Kategorien &#8222;P\u00e4dagogisches Wissen&#8220;, &#8222;Fachwissen&#8220; und &#8222;Fahdidaktisches Wissen&#8220; (manchmal auch &#8222;Fachspezifisch-P\u00e4dagogisches Wissen&#8220; genannt), da diese aus heutiger Sicht die allgemein akzeptierten Kernkategorien des Professionswissens von Lehrkr\u00e4ften darstellen. Die Autor\/-innen konzentrieren sich in der Folge auf das fachdidaktische Wissen und das Fachwissen, da sie davon ausgehen, dass das p\u00e4dagogische Wissen f\u00fcr die Gestaltung fachlich anspruchsvoller Lerngelegenheiten eher den allgemeinen Rahmen abgibt.<\/p>\n<p>Spannend ist, wie sie diese beiden Wissensarten konzeptualisieren:<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<blockquote><p>COACTIV geht von einer grundlegenden Orientierung aus: Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler sollen im Fachunterricht im Kontext von fachlich gehaltvollen Lernumgebungen &#8222;kognitiv aktiviert&#8220; werden (Baumert &amp; K\u00f6ller, 2000). Somit soll der Unterricht verst\u00e4ndnisorientiert angelegt sein und Lehrerinnen und Lehrer sollen die Voraussetzungen und M\u00f6glichkeiten f\u00fcr eine solche Gestaltung von Unterricht haben.<\/p><\/blockquote>\n<p>Es interessiert also weniger das methodische Repertoire f\u00fcr den Unterricht, als auf die Mathematik selbst bezogene Ans\u00e4tze des Unterrichts. Also Fragen wie: Welche Voraussetzungen sind n\u00f6tig, um mathematische T\u00e4tigkeiten der Sch\u00fcler\/-innen anzuregen und zu erkennen? Welche Kenntnisse und Einsichten braucht man f\u00fcr &#8222;unverf\u00e4lschtes Vereinfachen und Zug\u00e4nglichmachen&#8220; (Kirsch, 1977) mathematischer Inhalte?<\/p>\n<p>So wollen die Autor\/-innen unter diesem Fokus der kognitiven Aktivierung &#8222;fachdidaktisches Wissen&#8220; in einem Test hinreichend breit abbilden. Wiederum bezogen auf Shulman heisst dies, dass spezifische Repr\u00e4sentationsformen und Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze des mathematischen Wissens den Lehrkr\u00e4ften zur Verf\u00fcgung stehen m\u00fcssen. Zudem muss (ebenfalls Shulmann folgend) fachdidaktisches Wissen auch Kenntnisse \u00fcber Denkweisen der Sch\u00fcler\/-innen einschliessen. Zudem spielen auch Kenntnisse bezogen auf das kognitive Potential der Inhalte (also der Mathematikaufgaben) eine wesentliche Rolle.<\/p>\n<p>Das fachdidaktische Wissen wird also folgendermassen konzeptualisiert:<\/p>\n<ul>\n<li>Wissen \u00fcber das Verst\u00e4ndlichmachen von mathematischen Inhalten<\/li>\n<li>Wissen \u00fcber mathematikbezogene Sch\u00fclerkognitionen<\/li>\n<li>Wissen \u00fcber das kognitive Potential von Mathematikaufgaben<\/li>\n<\/ul>\n<p>Neben dem fachdidaktischen Wissen wurde bei den Lehrpersonen auch deren Fachwissen erhoben und zwar nicht auf der Ebene von reinem Universit\u00e4tswissen, sondern auf der Ebene eines tieferen Verst\u00e4ndnisses der Fachinhalte des Curriculums der Sekundarstufe. Die Stichprobe bestand aus 198 Mathematiklehrpersonen, wobei 85 davon am Gymnasium unterrichteten und 113 nicht am Gymnasium (ohne Hauptschule).<\/p>\n<p>Sehr interessant ist nun das Ergebnis, dass Gynasiallehrkr\u00e4fte (wie zu erwarten war) \u00fcber besseres Fachwissen verf\u00fcgen, aber durchschnittlich auch \u00fcber mehr fachdidaktisches Wissen, was vor allem auf eine h\u00f6here Kompetenz bei Sch\u00fclerfehlern und beim Erkl\u00e4ren und Repr\u00e4sentieren zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Wird statistisch das Fachwissen kontrolliert (also nur Lehrpersonen der beiden Stufen mit demselben Fachwissen verglichen), haben Lehrkr\u00e4fte nicht-gymnasialer Schulformen beim fachdidaktischen Wissen einen leichten Vorsprung.<\/p>\n<p>Ebenfalls spannend ist der Befund, dass es keinerlei positiven Zusammenh\u00e4nge zwischen der Unterrichtserfahrung und dem Fachwissen resp. dem fachdidaktischen Wissen gab. Es ergaben sich im Gegenteil sogar leicht negative Korrelationen.<\/p>\n<blockquote><p>Dieses Ergebnis legt die Vermutung nahe, dass das Wissen von Mathematiklehrkr\u00e4ften bez\u00fcglich dieser beiden Wissenskategorien im Wesentlichen in der Ausbildung erworben wurde.<\/p><\/blockquote>\n<p>Eine der entscheidenden Fragen f\u00fcr COACTIV ist zudem, ob sich das fachdidaktische Wissen einer Lehrperson \u201c vermittelt \u00fcber die Unterrichtsgestaltung \u201c auch als Pr\u00e4diktor des Lernzuwachses der Sch\u00fcler\/-innen nachweisen l\u00e4sst. Dazu wurde ein Mediationsmodell entwickelt, welches postuliert, dass fachdidaktisches Wissen, vermittelt \u00fcber die kognitive Herausforderung des Unterrichts, die adaptive Unterst\u00fctzung bei Verst\u00e4ndnisproblemen und eine effektive Klassenf\u00fchrung, den Leistungszuwachs der Sch\u00fcler\/-innen unterst\u00fctzt.<\/p>\n<blockquote><p>Die Analysen zeigen theoriekonform, dass fachdidaktisches Wissen einen signifikanten Einfluss auf die kognitive Herausforderung der Sch\u00fcler\/-innen im Unterricht und auf die Lernunterst\u00fctzung hat, nicht aber auf die Klassenf\u00fchrung. Klassenf\u00fchrung und kognitive Herausforderung haben wiederum einen signifikanten Einfluss auf die Leistung der Sch\u00fcler\/-innen in Klasse 10 unter gleichzeitiger Kontrolle der individuellen Voraussetzungen. Das Mediationsmodell kann knapp 40% der Leistungsvarianz zwischen den Klassen am Ende der Jahrgangsstufe erkl\u00e4ren. Es kann also konstatiert werden: Das fachdidaktische Wissen einer Lehrkraft ist eine entscheidende Gr\u00f6sse f\u00fcr das Lernen der Sch\u00fcler\/-innen. Entscheidend ist zudem, dass sich (trotz hoher Korrelation von Fachwissen und fachdidaktischem Wissen) keine vergleichbaren Resultate zeigen, wenn im Modell fachdidaktisches Wissen durch Fachwissen ersetzt wird!<\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>Und: Die bemerkenswerte Tatsache, dass gymnasiale Lehrkr\u00e4fte \u00fcber mehr fachdidaktisches Wissen verf\u00fcgen, kann als ein Hinweis auf die Rolle gesehen werden, die das Fachwissen bei der Entwicklung von fachdidaktischem Wissen spielt.<\/p><\/blockquote>\n<p>F\u00fcr mich bedeutsam ist, dass der Ausbildung von Lehrpersonen eindeutig viel Gewicht beigemessen wird, wenn es darum geht einerseits Fachwissen, aber auch fachdidaktisches Wissen zu bilden, da dies sp\u00e4ter (durch Erfahrung) nicht mehr in gleichem Masse gelingt. Allenfalls k\u00f6nnte dies m\u00f6glich sein, indem mit speziellen Coachingprogrammen \u201c zum Beispiel dem Modell von West &amp; Staub (2003) &#8222;Content-Focused Coaching: Transforming Mathematics Lessons&#8220; gezielt die Lehrpersonen in ihrer Unterrichtst\u00e4tigkeit unterst\u00fctzt w\u00fcrden.<\/p>\n<p><strong>Quelle:<\/strong><\/p>\n<p>Krauss, S., Neubrand, M., Blum, W., Baumert, J., Brunner, M., Kunter; M. &amp; Jordan, A. (2008). Die Untersuchung des professionellen Wissens deutscher Mathematik-Lehrerinnen und -Lehrer im Rahmen der COACTIV-Studie, J<em>ournal f\u00fcr Mathematik-Didaktik, 29<\/em> (3\/4), 223-258.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Krauss, S., Neubrand, M., Blum, W., Baumert, J., Brunner, M., Kunter; M. &amp; Jordan, A. (2008). Die Untersuchung des professionellen Wissens deutscher Mathematik-Lehrerinnen und -Lehrer im Rahmen der COACTIV-Studie, Journal f\u00fcr Mathematik-Didaktik, 29 (3\/4), 223-258. 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