Zu kopflastige Ausbildung?

In der heutigen (25.11.2012) Sonntagsausgabe der NZZ kommt die Ausbildung der Gymansiallehrpersonen an der Universität Zürich (UZH) in einem Beitrag von René Donzé unter Druck. Diese sei – so zeige eine Umfrage bei zukünftigen Lehrpersonen – zu kopflastig und praxisfern.

  • Wir müssen Unmengen Theorie pauken.
  • Die Universität muss sich entscheiden, ob sie uns zu Lehrern oder zu Akademikern machen will.
  • Aufwand  und Ertrag stehen in keinem Verhältnis.

Dies einige Zitate von Lehrdiplomstudierenden. Insgesamt gut abgeschnitten habe in der Umfrage die Fachdidaktik, durchzogen bewertet wurden die Erziehungswissenschaften, überwiegend negativ beurteilt wurde die fachwissenschaftliche Vertiefung. Eine solche müssen diejenigen Studierenden absolvieren, welche ihr Lehrdiplom nur in einem Fach erwerben wollen (Monofachstudierende) und dies ist die Mehrheit (vgl. Graphik).

Dass sowohl für die Monofachstudierenden als auch für diejenigen, welche für zwei Fächer das Diplom erhalten wollen, dieselben Anforderungen bezüglich der Anzahl zu erwerbender Kreditpunkte (60) gilt, ist aus Sicht der Studiengangentwicklung und -gestaltung einleuchtend. Die berechtigte Frage, was denn die Monofächler/-innen zusätzlich leisten sollen, muss – meiner Ansicht nach –, curricular beantwortet werden. Wenn Lehrpläne den Zusammenhang und die Gliederung der geforderten Lernprozesse sicherstellen und abbilden sollen (vgl. dazu Künzli, Messner & Tremp, 2012, S. 72), dann sind die curricularen Strukturen besonders aussagekräftig. Und genau diese werden an der UZH von den Studierenden der Lehrer/-innenausbildung für Maturitätsschulen angezweifelt. Was jedoch für jeden schulischen, formalen Bildungsprozess gilt ist, dass dieser einer Logik des Nacheinanders und/oder des wohlgeordneten Nebeneinanders gehorcht. Künzli et al. (2012) schlagen deshalb vor, drei bedeutsame Dimensionen bei der Curriculumsgestaltung herauszugreifen:

  • Die Kontinuität und die Anschlussfähigkeit der Lerneinheiten,
  • die innere Kohärenz und erlebbare Gestalt des Studienganges und
  • das Zeitmanagement und Zeiterleben im curricularen Durchgang.

Die obigen Zitate lassen sich interessanterweise diesen Dimensionen zuordnen. Dass inhaltlliche Anpassungen vorgenommen werden, wurde vom Direktor der Lehrerinnen- und Lehrerbildung Maturitätsschulen (LLBM), Prof. Dr. Franz Eberle, im Artikel der NZZ bestätigt. Studiengangentwicklung ist und bleibt ein spannendes Feld!

 

Literaturangabe:
Künzli, R., Messner, H. & Tremp, P. (2012). Die curriculare Transformation der Lehrerinnen- und Lehrerbildung in der Schweiz. Beiträge zur Lehrerbildung, 30(1), 62-79.

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